Es gibt Themen, bei denen die Kirche nicht mehr mit einer Stimme spricht – und die Frage der queeren Segensfeiern gehört eindeutig dazu. Auf der einen Seite stehen Menschen, die sagen: Liebe ist Liebe, und Gott segnet jede aufrichtige Liebe. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die sagen: Die Bibel ist klar, und wir dürfen nicht segnen, was Gott nicht segnet. Zwischen diesen beiden Polen herrscht oft Verhärtung, manchmal Verachtung, selten echter Dialog. Und in dieser Spannung stehen viele Gläubige ratlos da und fragen sich: Was ist richtig? Was sagt die Bibel wirklich? Und was bedeutet es überhaupt, zu segnen?
Bevor wir über queere Segnungen sprechen können, müssen wir verstehen, was Segen ist. Denn hier liegt der Kern des Missverständnisses. Segen ist kein freundlicher Wunsch und auch kein wohltuender Zuspruch, der uns einfach ein gutes Gefühl geben soll. Ebenso wenig ist er ein pastoraler Trost, den wir nach Belieben verteilen könnten. Segen ist vielmehr Gottes eigenes Handeln – und gerade deshalb entzieht er sich jeder menschlichen Verfügung. Segen ist ein heiliger Akt. Ein Akt, bei dem Gott selbst handelt. Wenn ein Mensch im Namen Gottes segnet, spricht er weder seine eigene Meinung noch seinen persönlichen Wunsch aus, sondern handelt im Auftrag dessen, der allein segnen kann. Er bleibt Verwalter, nicht Eigentümer; Vermittler, nicht Quelle. Und genau das bedeutet: Wir können nicht segnen, was Gott nicht segnet, nicht gutheißen, was er nicht gutheißt, und nicht heilig nennen, was er nicht heilig nennt.
Das klingt hart, aber es ist die schlichte Wahrheit der Heiligen Schrift. Als Aaron seine Söhne Nadab und Abihu segnete, standen sie als Priester im Dienst Gottes. Doch als sie vor den Herrn ein fremdes Feuer brachten – ein Opfer, das er ihnen nicht geboten hatte –, da verzehrte sie das Feuer des Herrn (3. Mose 10,1–2). Es war ein Dienst, der nach außen hin religiös wirkte, aber nicht im Einklang mit Gottes Willen stand. Und Gott griff ein. Diese Geschichte macht unmissverständlich deutlich, dass Gott seinen Dienst ernst nimmt, seine Heiligkeit ernst nimmt und erwartet, dass auch wir sie ernst nehmen.
Wenn wir über Segnungen sprechen, müssen wir uns zuerst fragen, was Gott segnet – nicht, was wir gern segnen würden, nicht, was sich liebevoll anfühlt und auch nicht, was dem Zeitgeist entspricht. Entscheidend ist allein, was Gott segnet. Und um das zu erkennen, dürfen wir nicht in unsere Gefühle schauen, nicht in die Kultur und nicht in die Mehrheitsmeinung, sondern in die Heilige Schrift.
Die Bibel spricht an mehreren Stellen über gleichgeschlechtliche Beziehungen – und sie tut es nicht beiläufig, sondern mit bemerkenswerter Klarheit. Im dritten Buch Mose heißt es: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel“ (3. Mose 18,22). Dieses Wort bezeichnet etwas, das Gott verabscheut, etwas, das seinem Wesen und seiner guten Ordnung widerspricht. Manche mögen einwenden, dies gelte nur für das Alte Testament, doch das Neue Testament bestätigt dieselbe Linie. Paulus schreibt im Römerbrief, dass Männer und Frauen den natürlichen Verkehr verlassen haben und in gleichgeschlechtlicher Begierde „Schande“ und „Verirrung“ treiben (Römer 1,26–27). Das sind keine weichen, sondern deutliche Worte. Und sie mahnen uns: Wir dürfen Gottes Sicht nicht durch unsere Gefühle ersetzen, nicht durch kulturelle Trends relativieren und nicht durch menschliche Sympathien abschwächen. Wo Gott klar spricht, sind wir gerufen, zuzuhören – nicht zu korrigieren. Denn wer Gottes Wort beugt, beugt am Ende nicht nur einen Text, sondern die Wahrheit, die uns tragen soll.
Man kann diese Stellen nicht einfach weginterpretieren. Man kann nicht behaupten, sie meinten etwas anderes oder seien bloß kulturell bedingt. Paulus begründet seine Worte nicht mit gesellschaftlichen Umständen, sondern mit der Schöpfungsordnung selbst. Er spricht von natürlichem und widernatürlichem Verkehr und verweist damit auf das, was Gott von Anfang an gesetzt hat. Und was Gott von Anfang an gesetzt hat, macht Jesus unmissverständlich deutlich: „Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau“ und erklärte, dass ein Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden wird, sodass die beiden ein Fleisch werden (Matthäus 19,4–5). Es ist die Verbindung von Mann und Frau, nicht Mann und Mann und nicht Frau und Frau, die Jesus als göttliche Ordnung bestätigt. Das ist Gottes Plan, das ist die Struktur, die er geschaffen hat, und das ist das, was er segnet. Wer diese Ordnung relativiert, stellt sich nicht gegen eine Tradition, sondern gegen das Wort dessen, der sie selbst eingesetzt hat.
Und leider sehen wir heute in manchen Kirchen eine Entwicklung, in der das Wort Gottes nicht mehr als verbindliche Richtschnur verstanden wird. Dort wird die „Ehe für alle“ der von Gott gestifteten Ehe gleichgestellt, und Segenshandlungen werden zugelassen, die nicht mehr aus der Heiligen Schrift, sondern aus kulturellen Strömungen oder menschlichen Vorstellungen von Liebe begründet werden. Doch wo menschliche Entscheidungen das biblische Zeugnis übergehen, wird Gottes Autorität missachtet. Liebe kann niemals gegen Gottes Wort ausgespielt werden. Denn wahre Liebe sucht nicht die Bestätigung des Menschen, sondern die Treue zu dem Gott, der heilig ist und dessen Wille uns in der Heiligen Schrift offenbart wurde.
Nun sagen manche: Gott ist Liebe – und wenn zwei Menschen sich lieben, könne das doch nicht falsch sein. Doch genau hier liegt ein grundlegendes Missverständnis. Gott ist tatsächlich Liebe (1. Johannes 4,8), aber seine Liebe entspricht nicht unserem modernen Verständnis von Gefühl, Toleranz oder grenzenloser Akzeptanz. Gottes Liebe ist heilig, rein und untrennbar an seine Gebote gebunden. Jesus selbst sagt: „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren“ (Johannes 14,21). In Gottes Sicht gehören Liebe und Gehorsam unauflöslich zusammen. Wer Gott liebt, sucht seinen Willen. Und wer behauptet, Gott zu lieben, aber seine Gebote verwirft, täuscht sich selbst – denn Liebe, die Gottes Wort ignoriert, ist nicht Liebe im biblischen Sinn, sondern eine Projektion unserer eigenen Wünsche.
Das bedeutet nicht, dass Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen nicht geliebt werden sollen – im Gegenteil. Jeder Mensch ist von Gott geliebt, nach seinem Bild geschaffen und besitzt unantastbaren Wert, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. Doch Liebe heißt nicht, alles gutzuheißen, was ein Mensch tut. Liebe heißt, die Wahrheit nicht zu verschweigen. Sie bedeutet, nicht so zu tun, als sei etwas in Ordnung, wenn es vor Gott nicht in Ordnung ist. Paulus erinnert uns daran, dass die Liebe sich nicht über die Ungerechtigkeit freut, sondern an der Wahrheit (1. Korinther 13,6). Darum gehören Liebe und Wahrheit untrennbar zusammen. Wer aus vermeintlicher Liebe die Wahrheit verschweigt, liebt nicht wirklich – er beruhigt nur, statt zu retten.
Und genau das geschieht, wenn Kirchen queere Segnungsfeiern durchführen. Sie beruhigen Menschen, indem sie ihnen zusprechen, alles sei in Ordnung, Gott segne ihre Verbindung und sie befänden sich auf dem richtigen Weg. Doch ist das wahr? Segnet Gott wirklich eine Beziehung, die seinem Wort widerspricht? Kann ein Pastor im Namen Gottes etwas segnen, das Gott selbst nicht segnet? Die Antwort ist nein. Denn in dem Moment, in dem ein Pastor, ein Bischof etwas ausspricht, das Gott nicht autorisiert hat, spricht er nicht mehr im Namen Gottes. Er spricht dann im Namen seiner eigenen Überzeugungen, im Namen seiner Kirche oder im Namen des Zeitgeistes – aber nicht im Namen des heiligen Gottes. Und genau darin liegt ein gefährlicher Irrtum: Wer Gottes Autorität mit menschlicher Zustimmung verwechselt, führt Menschen nicht zur Wahrheit, sondern von ihr weg.
Und wo Menschen von der Wahrheit weggeführt werden, dort ist auch Christus nicht mehr gegenwärtig. Denn Christus ist die Wahrheit selbst, und er bindet seine Gegenwart an sein Wort. Wo sein Wort verdunkelt, verbogen oder beiseitegeschoben wird, verliert die Kirche nicht nur ihre Orientierung, sondern auch die Kraft seines Evangeliums. Eine Kirche, die Menschen beruhigt, statt sie zur Wahrheit zu rufen, verliert den Christus, den sie zu verkünden vorgibt.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Segen nicht einfach ein liebevolles Gebet ist. Segen ist eine Proklamation, eine göttliche Zusage, eine Bestätigung, dass Gott mit dieser Person, dieser Verbindung und diesem Weg ist. Wenn ein Pastor ein Paar segnet, spricht er damit aus, dass Gott ihren Bund bestätigt und ihre Beziehung heiligt. Doch kann das gesagt werden, wenn die Beziehung selbst gegen Gottes Ordnung steht? Kann Gott in seinem Wort klar benennen, dass etwas falsch ist, und es zugleich in der Praxis segnen? Das wäre ein Widerspruch – und Gott widerspricht sich nicht. Er ist nicht heute so und morgen anders. „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit“ (Hebräer 13,8). Was Gott einmal als verfehlt bezeichnet hat, wird nicht plötzlich richtig, nur weil die Kultur sich verändert. Gottes Maßstab bleibt derselbe, auch wenn unsere Maßstäbe schwanken.
Manche argumentieren, die Kirche habe sich auch in anderen Fragen geirrt: Sie habe Sklaverei verteidigt, Frauen unterdrückt, und heute sehe man vieles anders. Warum also sollte es bei der Homosexualität nicht ebenso sein? Die Antwort ist schlicht: weil die Bibel an keiner Stelle Sklaverei als gottgewollt darstellt. Im Gegenteil fordert Paulus Philemon auf, seinen Sklaven Onesimus nicht mehr als Besitz, sondern als Bruder aufzunehmen (Philemon 1,16). Ebenso lehrt die Heilige Schrift nirgendwo, dass Frauen weniger wert seien als Männer; vielmehr betont Paulus, dass in Christus weder Jude noch Grieche, weder Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau Vorrang hat, sondern alle eins sind (Galater 3,28). Doch an mehreren Stellen spricht die Bibel klar und eindeutig davon, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht der Ordnung Gottes entsprechen. Das ist keine Randbemerkung und keine kulturelle Fußnote, sondern eine durchgehende Linie der Heiligen Schrift. Wer diese Lehre relativiert, stellt sich nicht gegen kirchliche Traditionen, sondern gegen das biblische Zeugnis selbst.
Und hier kommen wir zum Kern der Frage: Wer bestimmt, was richtig und falsch ist – die Bibel oder wir? Gottes Wort oder unsere Gefühle? Die Wahrheit oder der Zeitgeist? Das ist keine theoretische Überlegung, sondern die zentrale Frage unseres Glaubens. Entweder ist die Bibel Gottes Wort, und dann stehen wir unter ihrer Autorität. Oder sie ist ein menschliches Buch, und dann können wir mit ihr verfahren, wie es uns gefällt. Aber beides zugleich geht nicht. Wir können nicht bekennen, dass die Bibel Gottes Wort ist, und gleichzeitig die Teile ignorieren, die uns unbequem sind. Wer so handelt, stellt sich nicht unter die Schrift, sondern über sie – und verliert damit den Boden, auf dem christlicher Glaube überhaupt erst steht.
Die Frage nach queeren Segnungen rührt deshalb nicht an einer Randfrage kirchlicher Praxis, sondern an das Fundament Gottes selbst. Denn wenn wir beginnen, das, was Gott Sünde nennt, zu segnen, dann verschieben wir nicht nur moralische Grenzen, sondern greifen in die Ordnung ein, die Gott selbst gesetzt hat. Eine Kirche, die Gottes Maßstab relativiert, verliert den Boden, auf dem sie steht. Denn wer Gottes Wort beugt, beugt nicht nur einen Text, sondern das Fundament, auf dem Wahrheit, Gnade und Erlösung ruhen. Und wo das Fundament wankt, dort wankt alles.
Jesus sagt: „Der Himmel und die Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Markus 13,31). Seine Worte vergehen nicht. Sie ändern sich nicht. Sie passen sich nicht an. Und wir sind nicht berufen, die Bibel an die Kultur anzupassen. Wir sind berufen, die Kultur an die Bibel anzupassen. Wir sind nicht berufen, Gottes Wort zu korrigieren. Wir sind berufen, uns von Gottes Wort korrigieren zu lassen.
Das bedeutet nicht, dass wir lieblos sein sollen. Es bedeutet nicht, dass wir Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen ablehnen oder verurteilen. Im Gegenteil: Wir sind berufen, sie zu lieben, ihnen mit Respekt zu begegnen und ihnen zu dienen – so wie jedem anderen Menschen auch. Doch Liebe verpflichtet uns nicht zum Schweigen, sondern zur Wahrheit. Liebe ruft uns nicht dazu auf, zu beschönigen, sondern klar zu sprechen, wenn Gottes Wort auf dem Spiel steht. Und Liebe berechtigt uns nicht, im Namen Gottes zu segnen, was er selbst nicht segnet. Denn ein Segen, der gegen Gottes Ordnung ausgesprochen wird, ist kein Akt der Liebe, sondern eine Irreführung.
Gerade deshalb müssen wir wachsam bleiben. Eine Kirche, die aus Angst vor Ablehnung oder aus dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung die Wahrheit verschweigt, verliert ihre geistliche Autorität. Eine Kirche, die Menschen beruhigt, statt sie zur Umkehr zu rufen, verliert ihren Auftrag. Und eine Kirche, die im Namen Gottes ausspricht, was Gott nicht gesagt hat, verliert die Gegenwart dessen, in dessen Namen sie zu handeln vorgibt. Denn Christus ist dort gegenwärtig, wo sein Wort geehrt wird – nicht dort, wo es verbogen wird.
Was bedeutet das praktisch? Es bedeutet, dass wir Klarheit brauchen – in unserer Lehre, in unserer Verkündigung und in unserer Seelsorge. Wenn ein Mensch zu uns kommt und sagt: „Ich bin homosexuell und möchte gesegnet werden“, dann können wir nicht einfach zustimmen, nur um freundlich zu wirken oder niemanden zu verletzen. Dann müssen wir ehrlich sein. Dann müssen wir sagen: Ich liebe dich, und Gott liebt dich. Aber Gottes Liebe bedeutet nicht, dass er jede Form von Beziehung segnet. Er segnet die Beziehungen, die seiner Ordnung entsprechen. Und eine gleichgeschlechtliche Beziehung entspricht dieser Ordnung nicht. Das ist nicht meine persönliche Meinung, nicht eine kirchliche Tradition und nicht ein kulturelles Vorurteil – es ist das klare Zeugnis der Heiligen Schrift. Und deshalb kann ich nicht im Namen Gottes segnen, was seinem Wort widerspricht.
Ehrlichkeit in der Seelsorge bedeutet nicht Härte, sondern Treue. Treue zu Gott, Treue zu seinem Wort und Treue zu dem Menschen, der vor uns steht. Denn ein Trost, der auf Unwahrheit beruht, trägt nicht. Ein Segen, der Gottes Ordnung ignoriert, heilt nicht. Und eine Kirche, die aus Angst vor Konflikten die Wahrheit verschweigt, dient am Ende niemandem – weder Gott noch den Menschen. Wahre Liebe sagt die Wahrheit, auch wenn sie schwer ist, weil sie weiß, dass nur die Wahrheit frei macht.
Das wird nicht populär sein. Es wird nicht auf breite Zustimmung stoßen. Manche werden es sogar als lieblos empfinden. Doch es bleibt die Wahrheit. Und Wahrheit ist immer liebevoller als jede Lüge. Wahrheit hat die Kraft zu retten, während die Lüge nur beruhigt – für einen Moment, aber nicht für die Ewigkeit. Wenn wir Menschen wirklich lieben, dann sagen wir ihnen die Wahrheit, auch wenn sie schwerfällt, auch wenn sie uns etwas kostet. Denn Liebe, die schweigt, wenn Wahrheit nötig wäre, ist keine Liebe, sondern Angst. Und Angst führt niemanden zu Gott.
Es gibt Menschen, die sagen: „Aber ich kann doch nicht anders. Ich bin so geboren. Ich habe mir das nicht ausgesucht.“ Und vieles davon mag stimmen. Viele erleben gleichgeschlechtliche Anziehung, ohne dass sie sich bewusst dafür entschieden hätten. Doch Empfindung ist nicht Identität, und Empfindung rechtfertigt nicht jedes Verhalten. Wir alle tragen Neigungen in uns, die nicht dem Willen Gottes entsprechen. Wir alle kennen Begierden, die aus der gefallenen Natur entspringen. Paulus beschreibt diesen inneren Kampf eindringlich: „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht“ (Römer 7,18). Wir alle kämpfen. Wir alle ringen. Wir alle sind gebrochene Menschen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Habe ich diese Neigung? Sondern: Was mache ich mit ihr?
Denn Nachfolge bedeutet nicht, dass wir keine Versuchungen mehr haben, sondern dass wir lernen, mit ihnen umzugehen. Sie bedeutet nicht, dass wir alles, was wir empfinden, ausleben, sondern dass wir unsere Empfindungen unter die Herrschaft Christi stellen. Sie bedeutet nicht, dass wir uns von unseren Neigungen definieren lassen, sondern dass wir uns von Christus definieren lassen. Der Kampf selbst ist kein Zeichen von Gottesferne, sondern oft ein Zeichen von Gottes Nähe – weil sein Geist uns sensibel macht für das, was nicht seinem Willen entspricht. Und gerade in diesem Ringen zeigt sich, ob wir uns selbst folgen oder Christus.
Ein Mensch mit gleichgeschlechtlichen Neigungen steht letztlich vor derselben Frage wie jeder andere Mensch auch: Folge ich meinen Neigungen – oder folge ich Christus? Lebe ich so, wie ich es will – oder so, wie Gott es will? Genau darin besteht die Frage der Nachfolge. Und Nachfolge bedeutet immer Verzicht. Jesus sagt: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Matthäus 16,24). Sich selbst verleugnen. Das Kreuz auf sich nehmen. Das gilt nicht nur für einige, sondern für alle. Es bedeutet, dass wir bereit sind, auf Dinge zu verzichten, die wir uns wünschen – auch auf Beziehungen, auch auf Erfüllung, auch auf das, was uns natürlich und menschlich erscheint.
Denn Christus ruft uns nicht dazu auf, unseren Neigungen zu folgen, sondern ihm. Er ruft uns nicht dazu auf, unsere Identität aus unseren Empfindungen zu formen, sondern aus seiner Gnade. Und er ruft uns nicht dazu auf, unser Glück in der Erfüllung unserer Wünsche zu suchen, sondern in der Hingabe unseres Lebens. Nachfolge ist kein Weg der Selbstverwirklichung, sondern der Selbsthingabe. Kein Weg der inneren Rechtfertigung, sondern der inneren Umkehr. Und gerade dort, wo der Verzicht am schwersten fällt, zeigt sich, ob wir Christus wirklich vertrauen – oder ob wir uns selbst folgen.
Paulus selbst spricht von einem „Pfahl im Fleisch“, den Gott ihm trotz seines Flehens nicht genommen hat (2. Korinther 12,7–9). Er hat gebetet, er hat gerungen, er hat gefleht – und doch blieb dieser Schmerz bestehen. Gottes Antwort war nicht die Veränderung der Situation, sondern die Offenbarung seiner Gnade: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Manchmal nimmt Gott unsere Kämpfe nicht weg. Nicht weil er hart oder gleichgültig wäre, sondern weil er uns gerade in diesen Kämpfen tiefer zu sich zieht. Weil er uns lehrt, dass seine Gnade wirklich ausreicht. Dass seine Kraft gerade dort sichtbar wird, wo wir schwach sind. Dass sein Weg besser ist, auch wenn er schwerer ist.
Gott befreit uns nicht immer von unseren inneren Spannungen – aber er begegnet uns in ihnen. Er nimmt nicht jede Last, aber er trägt uns unter jeder Last. Er nimmt nicht jede Versuchung, aber er schenkt Kraft, ihr zu widerstehen. Und manchmal lässt er den Kampf bestehen, damit wir lernen, nicht auf unsere Stärke zu vertrauen, sondern auf seine. Damit wir erfahren, dass wahre Freiheit nicht darin liegt, unseren Neigungen zu folgen, sondern darin, Christus zu folgen. Und gerade dort, wo wir am meisten zerbrechlich sind, zeigt sich seine Gnade am hellsten.
Eine queere Segensfeier mag nach außen wie ein Akt der Liebe wirken. Sie mag sich warm anfühlen, Trost spenden und den Eindruck vermitteln, man tue etwas Gutes. Doch wenn sie im Widerspruch zu Gottes Wort steht, ist sie keine Segnung. Dann ist sie Täuschung. Dann ist sie ein falscher Frieden. Und falscher Frieden ist gefährlicher als offener Konflikt, weil er Menschen in Sicherheit wiegt, während sie sich in Wirklichkeit von Gottes Weg entfernen. Ein offener Konflikt kann wachrütteln – falscher Frieden betäubt. Er lullt ein, wo Umkehr nötig wäre, und beruhigt, wo Wahrheit heilen müsste.
Jeremia sagt über die falschen Propheten seiner Zeit: „Sie heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: Friede! Friede!, und ist doch nicht Friede“ (Jeremia 6,14). Sie haben beruhigt, wo Warnung nötig gewesen wäre. Sie haben getröstet, wo Wahrheit gefordert war. Und das Volk ging ins Gericht – nicht weil Gott lieblos gewesen wäre, sondern weil es sich weigerte, umzukehren. Die Propheten hätten rufen sollen, doch sie schwiegen. Sie hätten aufrütteln sollen, doch sie beruhigten. Und so bestärkten sie das Volk in seinem Irrweg, statt es zurückzuführen zu dem Gott, der allein retten kann.
Heute stehen Kirchen vor derselben Versuchung wie damals: der Versuchung, zu beruhigen statt zu warnen; beliebt zu sein statt treu; mit der Kultur zu gehen statt gegen den Strom zu stehen. Doch die Kirche ist nicht berufen, Zustimmung zu suchen. Sie ist berufen, treu zu sein. Treu zu Gottes Wort. Treu zu Gottes Auftrag. Treu zu Gottes Wahrheit. Ihre Aufgabe ist nicht, Applaus zu gewinnen, sondern Christus zu bezeugen – auch dann, wenn dieser Weg einsam macht, unbequem ist oder Widerstand hervorruft. Denn Treue ist der Maßstab Gottes, nicht Popularität.
Und diese Treue zeigt sich darin, dass wir nicht segnen, was Gott nicht segnet. Dass wir nicht gutheißen, was er nicht gutheißt. Dass wir lieben, ohne zu lügen. Dass wir dienen, ohne zu täuschen. Dass wir in der Wahrheit bleiben, auch wenn es kostet. Denn am Ende geht es nicht um uns. Es geht um Gott. Um seine Ehre. Um seine Heiligkeit. Und um die Seelen der Menschen, die wir lieben.
Heißt das nun, dass Homosexuelle, dass Sünder, dass Menschen mit gebrochenen oder widersprüchlichen Neigungen vom Segen ausgeschlossen sind? Nein. Denn am Ende jedes Gottesdienstes spricht der Pastor einen Segen, der allen gilt. Jeder, der unter diesem Segen steht, empfängt ihn – unabhängig von seiner Vergangenheit, seinen Kämpfen oder seinen Neigungen. Aber dieser allgemeine Segen richtet sich an den Menschen, nicht an seine Sünde. Gott segnet den Sünder, der zu ihm kommt, aber er segnet nicht das, was ihn von sich trennt. Der Segen gilt der Person, nicht dem Verhalten. Der Mensch wird umfangen von Gottes Gnade, aber die Sünde wird nicht bestätigt. Und genau diese Unterscheidung ist entscheidend: Wir schließen niemanden vom Segen aus – aber wir segnen nicht das, was Gott nicht segnet.
Ehre sei Gott allein, dem Ursprung und Ziel unseres Weges. Amen.
